Trauer zulassen – innerlich frei werden

Rein medizinisch gesehen gelten Fehlgeburten als unproblematisch. Die möglichen seelischen Folgen werden jedoch häufig unterschätzt.

Das persönliche Umfeld der Frau reagiert oft unsensibel. „Beim nächsten Mal wird es schon klappen“, heisst es beispielsweise. Daher versuchen Frauen vielfach, den Verlust wegzustecken und im Alltag wieder „zu funktionieren“.

Die Zeit heilt jedoch NICHT alle Wunden. Wenn das bewusste Trauern und Abschied nehmen unterbleibt, kann der verdrängte Schmerz Monate, manchmal Jahre später wieder neu aufflammen, z.B. in Form von körperlichen oder seelischen Beschwerden. In einer späteren Schwangerschaft können Ängste die Freude und das positive Erleben der Schwangerschaft trüben.

Auch die Partnerschaft kann belastet werden, wenn das Erlebnis einer Fehlgeburt in der Beziehung keinen Raum bekommt. Die Frau bleibt in der Folge mit ihrer Gefühlswelt alleine, zieht sich zurück und wird in der Beziehung einsam.

Für die Frau und die Paarbeziehung ist es daher wichtig, eine persönliche Form des Trauerns und Abschiednehmens zu finden. Nur wenn die Trauer fliessen darf, kann sie bewältigt werden. Die Beziehung kann an Tiefe gewinnen, wenn sich die Partner über das Geschehene austauschen können. Für manche Frauen und Paare ist es hilfreich, dem Kind einen Namen zu geben und ihm bewusst einen Platz in der Reihe der Kinder zu geben. Ebenso kann ein Abschiedsritual oder, ab einer gewissen Grösse des Fötus, eine Bestattung eine sinnvolle und entlastende Form der Trauerbewältigung sein.