Fehlgeburt – die stille Trauer vieler Frauen


Fehlgeburt – die stille Trauer vieler Frauen

Der unerwartete Verlust eines Kindes während der Schwangerschaft oder bei der Geburt kann Schmerz und tiefe Trauer auslösen. Wie gehen Betroffene mit ihrer Situation um?

Das vorzeitige Ende einer Schwangerschaft bringt Körper und Gefühlswelt einer betroffenen Frau aus dem Gleichgewicht. Das ungeborene Kind ist für Aussenstehende häufig noch nicht fassbar. So bleibt den Frauen/Paaren manchmal nur die stille Trauer. Nach dem Verlust eines ungeborenen Kindes werden Frauen meist medizinisch betreut, der emotionalen Begleitung wird jedoch häufig wenig Beachtung geschenkt.

Was erleben betroffene Frauen nach einer Fehl- oder Totgeburt?

Das Erleben einer Fehl- oder Totgeburt gleicht einem "Ausnahmezustand". Trauer erfasst die Frau in ihrer Ganzheit von Körper, Geist und Seele. Nach dem ersten Schock durchleben Betroffene meist unterschiedliche Gefühle in schnellem Wechsel. Neben Traurigkeit und Wut können sich Verzweiflung, Angst, Ohnmacht oder auch Schuldgefühle zeigen.

Wie verkraften Betroffene ein solches Erlebnis?


In vielen Fällen gelingt es betroffenen Frauen nach einem anfänglichen Rückzug, der ihrem Schutz dient, wieder "in den Alltag zurückzukehren" und aus eigener Kraft mit dem Erlebten umzugehen. Diese Frauen haben meist Vertrauenspersonen in ihrem sozialen Umfeld, die sie in ihrer Situation auffangen können. Wenn noch niemand ausser den nahen Angehörigen von der Schwangerschaft wusste, entsteht manchmal Druck, möglichst schnell wieder zum Alltäglichen zurückzukehren, was nicht immer leicht umsetzbar ist. Nicht selten sind Frauen auch im Hinblick auf eine mögliche nächste Schwangerschaft verunsichert.

Wie können nahe Angehörige unterstützen?

Oft genügt es zuzuhören, da zu sein, das Unfassbare und den Schmerz gemeinsam auszuhalten. Wenn alle Gefühle einen Ausdruck finden, unterstützt das einen "fliessenden Trauerprozess". Was jedoch oft wenig Beachtung findet, ist, dass auch Partner oder Grosseltern auf ihre Art vom erlebten Verlust betroffen sind. Das kann bei diesen Personen zu einer Rücknahme der eigenen Trauer führen, um für die Partnerin bzw. das eigene Kind da zu sein.

Auf welche Weise hilft Beratung?


Trauerprozesse verlaufen sehr individuell und durchlaufen verschiedene Phasen. Hilfreiche Begleitung bedeutet, auf die jeweiligen Bedürfnisse der trauernden Personen einzugehen. Alles aussprechen zu dürfen, was betroffene Menschen innerlich bewegt, und von professionellen BeraterInnen zu hören, dass auch Reaktionen wie Neid oder Schuldgefühle Teil der Trauer sind, kann Entlastung bringen und den Fluss der Trauer unterstützen oder überhaupt erst ermöglichen.

Wann ist professionelle Beratung sinnvoll?


Professionelle BegleiterInnen bieten als aussenstehende Fachpersonen Unterstützung in einem geschützten Rahmen an. Betroffene Frauen können dort ihre Gefühle offen äussern, da sie nicht von der Sorge geplagt werden, ihre nahen Angehörigen damit zu belasten.

Gibt es Gruppenangebote für Betroffene?

In Buchs und Heerbrugg gibt es je eine therapeutisch geleitete Gruppe für Frauen, die ein Kind während der Schwangerschaft oder kurz nach der Geburt verloren haben. Betroffene Frauen erleben die Teilnahme meist als hilfreich bei der Bewältigung des Erlebten.

Nähere Informationen zu den Gruppen finden Sie hier

Verena Gasser

Verena Gassner
Psychologin

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