Die Entdeckung der Väter in den Frühen Hilfen


Die Entdeckung der Väter in den Frühen Hilfen

Prinzipiell haben Väter die gleichen elterlichen Fähigkeiten wie Mütter, und die Vater-Kind Bindung ist von eigenständiger Bedeutung für die Entwicklung des Kindes. Väter sind wertvolle Interaktionspartner des Kindes, besitzen intuitives Wissen über den Umgang mit Säuglingen und sind kompetent in der Pflege und Erziehung des Kindes.

In ihre neue, von Anfang an wichtige Rolle müssen Väter aber erst hineinwachsen. Während Mutter und Kind im Idealfall schon in der Zeit der Schwangerschaft gut miteinander verschmolzen und in ständigem Austausch sind, muss die Vater-Kind-Beziehung allmählich aufgebaut werden. Das Kind nimmt jedoch schon im Mutterleib die Stimme des Vaters wahr und kann diese später von anderen Stimmen unterscheiden.

Neue Rolle, alte Bilder

Von Beginn an kann der Vater durch die Betreuung des Kindes eine innige und liebevolle Beziehung zum Baby knüpfen – und so auch die Mutter entlasten. Alltägliche Verrichtungen wie baden, wickeln, umziehen oder ins Bett bringen erleichtern den Aufbau der Vater-Kind-Beziehung und können Ängste des Kindes mindern, wenn eine Trennung von Mutter und Kind notwendig ist.

Oft befinden sich Väter heute jedoch in einem Konflikt zwischen der Übernahme der Ernährer-Rolle und dem Wunsch, ein aktiver, präsenter und liebevoller Vater zu sein. Die finanzielle Situation vieler Familien ist angespannt und die Sorge um den Verlust des Arbeitsplatzes nicht zu unterschätzen. Vielen Vätern fällt es zudem schwer, den Alltag und die an sie gestellten Erwartungen mit ihren in der Herkunftsfamilie geprägten Bildern in Einklang zu bringen.

Familiensysteme brauchen starke Väter

Damit Väter in den Frühen Hilfen miteinbezogen werden können, ist eine positive Einstellung der Helfer/Helferinnen ihnen gegenüber eine Grundvoraussetzung. Die Perspektive von Vater, Mutter und Kind zu berücksichtigen ist eine besondere Chance für die Familie.

Männer tun sich schwer, Unterstützung anzunehmen. Oft meinen sie, keine Probleme zu haben oder sie selbständig lösen zu können und sind skeptisch gegenüber dem Helfersystem, das aufgrund der eigenen Unsicherheit schnell zur Bedrohung werden kann. Den Vater in der eigenständigen Lösung des Problems zu unterstützen, seine Ressourcen zu sehen und zu nutzen, hilft dem gesamten Familiensystem und stärkt ihn in seiner Rolle und in seinem Selbstwert.

Hilfsangebote anpassen

In den Angeboten der Frühen Hilfen soll die Familie als Ganzes im Mittelpunkt stehen. Der Einbezug von Vätern ist für die gute Entwicklung des Kindes und für die Familie eine grosse Chance, bringt allerdings auch besondere Herausforderungen mit sich. Gerade in belastenden Lebenssituationen kann ein positiver Einfluss des Vaters ausgleichend wirken und dem Kind ein gesundes Aufwachsen ermöglichen. Trotz der wichtigen Rolle der Väter wird deren Sichtweise auch von den Fachleuten oft vernachlässigt. Wünschenswert wäre, die Strukturen von Hilfsangeboten so anzupassen, dass sie auch den männlichen Bedürfnissen entgegenkommen. Das könnte erreicht werden, indem männliche Berater oder gemischtgeschlechtliche Teams eingesetzt werden und zeitlich begrenzte Angebote mit konkreten Anleitungen im Vordergrund stehen.

Christine Rinner
Christine Rinner

53, Dipl. Sozialarbeiterin, Leiterin Netzwerk Familie, Dornbirn

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